TU Braunschweig

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FlexCargoRail

Innovationspotenziale im Einzelwagenverkehr Geschäftszeichen: 19G7013B

Projektbearbeiter: Jürgen Schröder, Jörg May
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWI)

Nach einem dramatischen Einbruch in den vergangenen Jahrzehnten hält der Güterverkehr auf der Schiene heute einen weitgehend konstanten aber eher geringen Marktanteil von etwa 14%. Der Kombinierte Verkehr und der Verkehr mit Ganzzügen erweisen sich als erfolgreich und wachsen im Rahmen ihrer Möglichkeiten, während der Verkehr im Einzelwagensystem abnimmt.

Es mehren sich die Anzeichen, dass marktführende Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in absehbarer Zeit den Einzelwagenverkehr in Europa einstellen werden, wenn sich die Ergebnisse in diesem traditionellen Segment nicht deutlich verbessern. Ein solcher Schritt würde eine Abwärtsspirale in Gang setzen, weil der größte Teil der heute im Einzelwagenverkehr transportierten Menge nicht von anderen Produktionsformen des Schienengüterverkehrs aufgenommen würde, sondern der Schiene verloren ginge. Die Folgen nationaler Auflösungen des Einzelwagenverkehrs für das Europäische Netz wären fatal. Am Ende der Entwicklung stünde eine punktuell leistungsstarke Güterbahn, die durch den Verzicht auf die Bedienung des Streuverkehrs unterhalb ganzzugstarker Relationen das am stärksten wachsende Segment des Güterverkehrs, nämlich das besonders starke Segment der ?Kaufmannsgüter?, nur unzureichend bedienen könnte. Für den Verlader wäre im eng vermaschten Wirtschaftsgefüge Mitteleuropas der einzeln fahrende Lkw in fast allen Fällen das einzige Transportmittel, welches seine logistischen Anforderungen erfüllt.

Um dies zu verhindern, muss der Einzelwagenverkehr als Produkt für die Verkehre unterhalb der Ganzzüge zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickelt werden, das innovativen und marktorientierten Unternehmen alleine und im Verbund mit anderen gute Verdienstmöglichkeiten bietet. Anfänge sind gemacht: Die Liberalisierung im Bahnmarkt ist in Deutschland weit fortgeschritten; es gibt inzwischen ca. 150 im Güterverkehr tätige Unternehmen, von denen einige engagiert ein erfolgreiches Einzelwagengeschäft betreiben, und die sich bereits in Netzwerken organisieren. Doch sind diese EVUs gezwungen, den Betrieb mit Verfahren teilweise wie vor 100 Jahren abzuwickeln, was deren Wachstumspotenziale deutlich begrenzt. Um dem Unternehmergeist dieser neuen EVUs die von den Kunden gewünschten Entfaltungsmöglichkeiten zu geben, ist eine Modernisierung von Technik und Betriebsverfahren dringend erforderlich.

Dies ist aber eine Aufgabe, deren Lösung schwierig und kostenaufwändig ist, weil das System Bahn keine Modernisierungsbemühungen im Alleingang zulässt. Ohne staatliche Hilfe wird ein einzelnes EVU kaum in der Lage sein, Treiber neuer Techniken und Betriebsverfahren zu sein. Zentrale Frage in diesem Projekt ist daher, in welche Richtung Forschung und Entwicklung für den Einzelwagenverkehr gehen sollen, damit mit überschaubarem Einsatz öffentlicher Mittel die eingeleitete Entwicklung zu mehr Marktanteil, Beschleunigung der Verkehre und Attraktivität unterstützt wird.

Vieles ist bereits erdacht worden, weniges wurde umgesetzt, weil Entwicklungen häufig zu stark technologisch geprägt sind und Wechselwirkungen der Technik mit dem betrieblichen, dem logistischen und dem wirtschaftlichen Umfeld zu wenig durchdacht werden. Die Geschichte der Eisenbahnforschung ist voll von Beispielen für gute Ideen, denen der Erfolg letztlich verwehrt geblieben ist, man denke nur an die Z-AK1 und viele andere. Die vorgeschlagene Studie beabsichtigt nicht, ein weiteres Kapitel an diese Geschichte anzufügen, obwohl auch hier eine technische Idee, nämlich die des einzeln angetriebenen Güterwagens, am Anfang steht. Diese dient als Initialzündung für eine ganze Reihe betrieblicher und technischer Untersuchungen, deren Ziel es ist, herauszufinden, aus welchen Komponenten ein neues, erfolgreiches Einzelwagensystem bestehen kann und wie es aus dem existierenden System heraus durch Migration erreicht werden kann.

Es werden verschiedene fahrzeug- und betrieblich- / infrastrukturorientierte Ansätze zur Verbesserung des Einzelwagenverkehrs technisch konkretisiert und auf ihre Wirksamkeit in einem von Wettbewerb und Kooperation geprägten Netzwerk von EVUs hin untersucht. Als Ergebnis werden gemeinsam von Wissenschaft, Industrie und Betreibern technisch, betrieblich und wirtschaftlich tragfähige Lösungsvorschläge erarbeitet, die das Spektrum der Innovationspotenziale ausgehend von der Weiterentwicklung des Rangierens und der Zugbildung bis hin zu abgestuften Varianten eines einzeln angetriebenen Güterwagens abdecken sollen und die in der darauffolgenden Projektphase gemeinsam umgesetzt werden.

Siehe auch www.flexcargorail.de


http://www.iva.ing.tu-bs.de?iT=4_519&projectId=101