TU Braunschweig

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Generic Hazard List

Erstellung einer allgemeingültigen Gefahrenliste (Hazard-List) für die Eisenbahnen Europas

Projektbearbeiter: Jörn Drewes, Jörg May
Projektpartner: international Union of Railways (UIC),
Projekt Euro-Interlocking

Ausgangssituation

Gemäß den CENELEC-Standards sind bei Neuentwicklungen sowie Modifizierungen von Bahnsystemen während der Entwicklungsphase parallel die Sicherheit des Systems betreffende Untersuchungen mittels Risikoanalysen durchzuführen. Zur Erreichung einer maximal möglichen Vollständigkeit sowie einer geeigneten Detailierungstiefe werden dabei umfassende Sicherheitsanforderungen (Safety-Requirements) unter Berücksichtigung potenzieller Gefahren welche von dem System ausgehen könnten für den Anwendungsfall aufgestellt, die als Gegenstand der Analyse näher untersucht werden.

Die Ermittlung der möglichen Gefahren erfolgt in der Regel durch die Erstellung von Gefahrenlisten (Hazard-List) in so genannten HAZOP-Sitzungen (Hazard and Operability Studies). In Abhängigkeit von Betrachter bzw. vom Experten, sowie dem zu betrachtenden Zielsystem, kann die Gefahrenidentifikation unterschiedlich ausfallen und dadurch die Detaillierungstiefe variieren. So können sowohl eine gebrochener Radreifen als auch eine Entgleisung als Gefahren für den Menschen angesehen werden, stellen aber bei der Systembetrachtung ganz unterschiedliche Ebenen dar.

Methodischer Ansatz

Grundlegend wird in diesem Ansatz im Top-Down Verfahren vorgegangen. Dabei werden zu Beginn eher abstrakte Gefahren definiert, die je nach Detaillierungsgrad der Systembetrachtung weiter verfeinert werden können. Auf diese Weise wird zu Beginn ein generalisierter Blick auf das System Eisenbahn und dessen Gefahren ermöglicht und nur in den Bereichen fokussiert, die für die jeweilige Risikobetrachtung von Bedeutung sind.

Die Entwicklung der einzelnen Gefahren erfolgt in drei Schritten. Nach einer vollständigen 2-stufigen Systemdefinition (Ressourcenbestimmung und Sicherungsprozessanalyse) sowie einer Unfallklassifikation, die alle möglichen Eisenbahnunfälle in geeigneter Weise unterteilt, werden in einer Gefahrenidentifikation sukzessiv Teilsicherungsprozessausfälle angenommen und deren Konsequenzen in Relation zu den Unfallklassen abgeleitet.

Ergebnis und Einsatz

Strukur: Potenzielle Gefahren werden durch diese Methode systematisch entwickelt und strukturiert dokumentiert. Die Zuordnung der Gefahren zu sowohl einzelnen Ressourcen als auch einzelnen Sicherungsteilprozessen ist damit möglich. Auf diese Weise können Sicherheitsanforderungen für neue Systeme auf eine relevante Menge an Gefahren bezogen werden.

Formalisierung: Alle Gefahren werden durch die strukturierte Entwicklung in einer eindeutig definierten Syntax formuliert, die zum Einen gerade auf internationaler Ebene sprachliche Missverständnisse reduziert und zum Anderen die Referenzierung mit bestehenden Sicherheitsanforderungen auf formaler Basis erleichtert.

Die hier entwickelte Hazard List findet derzeit bei Sicherheitsanalysen für den Gotthard-Basistunnel (Alp-Transit-Gotthard) in der Schweiz Anwendung und wird nachfolgend auf deren Anwendbarkeit hin validiert.


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